Raumakustik

Die Raumakustik bezeichnet den akustischen Zustand in einem Raum. Jeder Raum sollte eine, seinem Nutzungszweck angepasste, raumakustische Qualität haben. Im Wohnbereich immer mehr, aber hauptsächlich am Arbeitsplatz muss man diesem Thema viel Beachtung schenken. Denn Lärm am Arbeitsplatz ist ein wesentlicher Störfaktor, der das konzentrierte und produktive Arbeiten nachweisbar einschränkt und sogar krank machen kann.

Ein Schallereignis, wie z.B. eine Unterhaltung oder der Drucker, produziert Schallwellen im Raum. Diese Schallwellen werden in alle Richtungen durch die Luft übertragen. Man spricht deshalb vom Luftschall. Die Schallwellen treffen auf die Raumbegrenzungsflächen, wie Wand, Decke und Boden. Von dort werden Sie reflektiert und treffen wiederum auf andere Flächen im Raum.

So breitet sich Schall im Raum aus. Neben dem Reflexionsschall gibt es aber noch den Direktschall. Also den Schall, der den Hörer ohne vorherige Reflexion erreicht. Wie zum Beispiel den Gesprächspartner gegenüber.

Die wichtigsten Größen der Raumakustik sind die Nachhallzeit und der Schalldruckpegel. Wobei die Nachhallzeit im Wesentlichen die akustische Qualität eines Raumes darstellt. Sie wird in Sekunden (Ts) gemessen und beeinflusst unmittelbar die Sprachverständlichkeit im Raum. Je niedriger die Nachhallzeit, umso höher die Sprachverständlichkeit. Das Raum-volumen, absorbierende und reflektierenden Flächen beeinflussen die Nachhallzeit, in die eine oder andere Richtung.

Der Schalldruckpegel wird in Dezibel (dB) angegeben und gibt Auskunft über die Lautstärke im Raum. Die VDI Richtlinie 2569 gibt eine Obergrenze von 55dB an Arbeitsplätzen vor, wo konzentriert/kreativ gearbeitet wird.

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Raumakustik - Doppelplatz 2

Der Nutzungszweck eines Raumes bestimmt die angemessene Nachhallzeit. So darf z.B. eine Kirche eine deutlich längere Nachhallzeit haben als ein Büro. Oder ein Konferenzraum eine kürzere Nachhallzeit als ein Konzertsaal. Man spricht auch von der Hörsamkeit eines Raumes.

In der DIN 18041 “Hörsamkeit in kleinen bis mittelgroßen Räumen“ sind empfohlene Richtwerte für unterschiedliche Raumnutzungen enthalten.

Die Raumakustik ist übrigens nicht mit der Bauakustik zu verwechseln. Diese bezieht sich nur auf die Schallübertragung durch Bauteile von einem Raum zum anderen.

Probleme der Raumakustik

Eine gute Hörsamkeit in Räumen herzustellen ist nicht immer einfach. Besonders durch die moderne Architektur, die im Wesentlichen durch schallharte Flächen wie Beton, Naturstein, Glas und Holz besteht, findet man häufig ein akustisches Waterloo vor. Bei Büroflächen hat man teilweise, als einzige Maßnahme, eine akustisch wirksame Rasterdecke eingezogen. Die tatsächliche Wirkung dieser Decken ist oft nicht ausreichend und in keiner Weise individuell auf den Nutzer abgestimmt. Sie ist als allgemeine Basis Maßnahme zu betrachten. In zunehmendem Maße gibt es bei Neubauten aber noch nicht mal diese. Da die Decken mitunter Betonkern aktiviert sind, kann man sie nur sehr eingeschränkt für akustische Maßnahmen nutzen, wenn überhaupt.

Die heutigen Flächennutzungskonzepte bringen zusätzliche Probleme mit sich.

Große Flächen, die flexibel aufzuteilen sind. “Open Space“ ist das Zauberwort. Man will untereinander kommunizieren und kurze Wege haben. Das ist nachvollziehbar, erhöht aber gleichzeitig die Anforderung an die Raumakustik.

Grundsätzlich gilt, die Nachhallzeit muss runter! Auf ein Niveau, das dem Nutzungszweck entspricht und ein angenehmes und konzentriertes Arbeiten ermöglicht. Aber in einem Mehrpersonen- oder Großraumbüro kommt es auch vor, dass sich Mitarbeiter gegenseitig stören. 8-12m² pro Mitarbeiter, inklusive anteiliger Verkehrsflächen und Möblierung, sind heute Standard. Hat man nun die Nachhallzeit gesenkt, erhöht sich zwangsläufig die Sprachverständlichkeit. Das ist grundsätzlich richtig. Aber durch das dichte Miteinander ist es dann unvermeidbar das ein oder andere Gespräch oder Telefonat der Kollegen mitzuhören. Das dies für Ablenkung sorgt liegt auf der Hand. Also muss man diese Bereiche voneinander trennen. Das ist räumlich aber nicht immer möglich.

Raumakustik - Doppelplatz

Im Idealfall geht man nun her und schafft absorbierende und abschirmende Flächen an Wand, Decke und zwischen den Arbeitsplätzen.

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Raumakustik - Doppelplatz 2

In der Realität ist dies aber nicht immer möglich. Über mögliche Einschränkungen an der Decke hatten wir ja schon gesprochen, aber auch an Wänden ist der ein oder andere Schrank oder ein Bild im Weg. Ganz zu schweigen vom Einwand der Mitarbeiter sich nicht mehr sehen zu können, wenn da plötzlich ein Tischabsorber im Weg ist.

Raumakustik - Doppelplatz 3

Und ganz zum Schluss geht es natürlich noch um das Budget, welches für Akustikmaßnahmen meistens nicht vorhanden ist. Am Ende bleibt in vielen Fällen nur der Kompromiss. Ist es aber ein guter Kompromiss und das Ergebnis für den Nutzer spürbar, dann lohnt sich die Maßnahme immer.

Eigentlich sollten Akustikmaßnahmen von Anfang an mit dem Arbeitsplatz mitgeplant und budgetiert werden.

Verbesserung der Raumakustik

Die Schilderungen der betroffenen Mitarbeiter können durchaus unterschiedlich sein. Denn das subjektive Empfinden von Lärm ist nicht immer gleich. Jemand der gewohnt ist in einem 1-Personen Büro zu sitzen, dem wird der Arbeitsplatz in einem Großraumbüro mehr zu schaffen machen, als jemand der schon immer mit mehreren Kollegen in einem Raum gearbeitet hat.

Genauso wie die Nachhallzeit der Nutzung des Raumes angepasst sein sollte, so sollten die Akustikmaßnahmen auch entsprechend der Raumstruktur platziert werden, um den optimalen Effekt zu erzielen.

1 Personen Büro

Spezielle Anforderungen an die Platzierung von Schallabsorbern gibt es hier nicht.

Üblicherweise ist die Kombination von Wand und Decke zu empfehlen. Um so genannte Flatterechos zu vermeiden, sollten dicht gegenüberliegende glatte Wände an einer dieser Wände mit Schall-absorbern versehen werden.

Raumakustik - 1 Personen Büro

2 Personen Büro

Über den Arbeitsplätzen und an den Wänden sind Schallabsorber zu empfehlen. Bei einer Blockstellung der Tische kann mit einem Tischabsorber zwischen den Arbeitsplätzen auch noch ein Teil des Direktschalls absorbiert werden, sofern der Absorber hoch genug ist. Je nachdem was für die Mitarbeiter akzeptabel ist, aber nicht unter 50cm von Tischoberkante. Sonst sollte man sich das Geld sparen. Eine Variante zur Blockstellung ist es, die Arbeitsplätze zur Wand auszurichten, sofern es der Raum hergibt.

Raumakustik - 2 Personen Büro

Mehrpersonen-/Großraumbüro
(Open Space)

Den Lärm bekämpfen wo er entsteht und die Lärmausbreitung verhindern. Schallabsorber an der Decke über den Arbeitsplätzen und über Lärmquellen wie z.B. dem Drucker oder Kopierer. Die wenigen Wandflächen sind auch zu nutzen. Die Blockstellung ist, aufgrund der Flächenaufteilung heute, nahezu unvermeidlich. Insofern sind Tischabsorber zu empfehlen. Wir erinnern uns: Durch das Senken der Nachhallzeit und die dadurch verbesserte Sprachverständlichkeit, ist die Abschirmung verschiedener Bereiche untereinander sehr wichtig, um sich gegenseitig nicht zu behindern. Das geschieht mit hochabsorbierenden Screens zwischen diesen Bereichen.

Die Höhe dieser Screens darf in keinem Fall zu niedrig sein, da sonst ein Großteil des Direktschalls als so genannter Beugungsschall über den Screen gelangen kann. Mindestens 1,60m sind ratsam. Nur die Kombination verschiedener Maßnahmen führt zum gewünschten Ergebnis. Screens zwischen zwei Arbeitsbereichen, ohne Absorptions-flächen an der Decke, bringt nichts.


Raumakustik - Mehrpersonen Büro
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Konferenzraum

In kleineren Konferenzräumen spielt die Position von Wand- und Deckenabsorbern eine untergeordnete Rolle. In einem größeren Konferenzraum hingegen muss darauf geachtet werden, dass direkt über dem Konferenztisch keine Schallabsorber angebracht werden. Diese Fläche wird als Reflexionsfläche benötigt, damit jeder Besprechungsteilnehmer gut gehört wird, aber auch gut verstehen kann was die anderen sagen. In diesen Räumen ist es angeraten in den Randbereichen der Decke und an den Wänden Schallabsorber zu positionieren. Die Nachhallzeit sollte ähnlich wie in einem größeren Büro sein.

Raumakustik - Konferenzraum

Vortrags-/Seminarraum

In einem Vortrags- oder Seminarraum spricht hauptsächlich nur eine Person zu den Zuhörern. D.h. die Schallübertragung in eine bestimmte Richtung ist eine wichtige Komponente. Auch hier sollte der mittlere Deckenbereich als reflektierende Fläche frei bleiben. Schall-absorber in den seitlichen Deckenbereichen und im Wandbereich hinter den Zuhörern sind optimal. Die Nachhallzeit kann in der Regel etwas höher als in einem Konferenzraum sein.

raumakustik seminarraum

Kantine/Cafeteria

Die allgemeine Senkung der Nachhallzeit ist in den meisten Fällen ausreichend. Platzierung von Schallabsorbern an Wand und Decke. Durch freistehende Akustik Stellwände lassen sich verschiedene Bereiche schaffen, wo man sich auch mal ungestört unterhalten kann.

raumakustik kafeteria / kantine